Construction

Vor dem ersten Spatenstich - Bauen 4.0

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Tiefgreifende Veränderungen durch die Digitalisierung erwartet Bauunternehmer Hubert Rhomberg. Auch die Baubranche passe sich neuen Formen des Arbeitens und Lebens an, mit großen Chancen für alle, die diese Veränderungen erkennen, anerkennen und mitgehen.

Die Digitalisierung wirke sich auf die Baubranche schon spürbar aus: Standardisierung, umfassende, frühzeitige Planung, Holz, Vernetzung, Shareconomy, Ressourceneffizienz - dies seien Trends, sagt Hubert Rhomberg, CEO der Rhomberg-Gruppe mit Sitz in Bregenz, die sich ebenso abzeichnen wie die Anpassung an neue Lebensformen wie Home Office und New Work. "Vor allem bei den Maschinen sind wir bereits klar auf dem Weg zur digitalen Baustelle, etwa bei Beschaffung, Wartung oder auch Logistik." VR und AR Tools für das Bauprojektmanagement oder kollaborative Online-Plattformen ermöglichten es, flexibler und effizienter zu arbeiten.

Wie hat die Digitalisierung die Baubranche in den letzten Jahren in Vorarlberg verändert?

Digitalisierung und Baubranche werden in absehbarer Zeit gar nicht mehr voneinander zu trennen sein. Wir sehen ja schon in sehr vielen Bereichen, wie die Digitalisierung etablierte Geschäftsmodelle und Branchenstrukturen durcheinanderwirbelt, etwa mit Airbnb in der Hotellerie oder mit Uber im Taxigewerbe. Warum sollte es uns da anders gehen? Erste Entwicklungen gibt es bereits, auch wir von der Rhomberg Gruppe setzen uns schon seit einiger Zeit damit auseinander. Sei es der Wohnungskonfigurator, mit dem sich unsere Kunden am Computer ihre Traumwohnung zusammenstellen können, oder das Micro-Apartment DAVID, das wir dank VR-Brille vorab begehbar gemacht haben. Und nicht zu vergessen das Building Information Modelling (BIM), wo wir mit Hilfe digitaler Gebäudemodelle den Bau und Betrieb unserer Immobilien abbilden und durchspielen können, bevor überhaupt der erste Spatenstich gesetzt wurde.

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"Das Denken in überholten Mustern funktioniert heute nicht mehr."
Hubert Rhomberg
CEO

Welche Herausforderungen und welche Chancen sehen Sie für die Baubranche?

Wir stehen noch ganz am Anfang unserer digitalen Entwicklung. Wir testen momentan sehr viel aus und probieren einfach. Denn nur so erfahren wir schnell und zuverlässig, in welchen Bereichen wir von der Digitalisierung tatsächlich profitieren und wo eben nicht. So haben wir derzeit beispielsweise zwei "Spots"-Roboterhunde bei uns im Einsatz und prüfen, ob uns die Technik hier spürbar Erleichterung bringt, etwa bei Materialinventuren im Ressourcen Center oder bei der Dokumentation von Wohnungsübergaben. Auf lange Sicht erwarte ich mir aber tiefgreifende Veränderungen, mit großen Chancen für alle, die diese Veränderung erkennen, anerkennen und mitgehen. Ich denke da vor allem an das eben schon erwähnte BIM, an digitale Workflows, an Netzwerk- oder Cloudlösungen und vor allem daran, Wissen zu teilen und frei verfügbar zu machen.

Wie werden sich Aus- und Weiterbildung in der Baubranche in Zukunft entwickeln? Welche Qualifikationen sind gefragt?

Erstens benötigen wir gar nicht mal unbedingt noch mehr Spezialisierung und Detaillierung in den Bauberufen. Denn dieses Denken entstammt überholten Mustern, nach denen Maschinen-Logiken auf Menschen angewendet werden und versucht wird, die heutige, komplexe und dynamische Welt nach wie vor zentral zu steuern. Das funktioniert aber nicht mehr. Vielversprechender ist es da, die Menschen zu befähigen, eigenverantwortlich zu arbeiten und selbst Entscheidungen zu treffen. Und ihnen das vor allem auch zu erlauben. Zum anderen ist sehr viel von dem Spezialwissen, das wir benötigen, schon vorhanden. Wir suchen aktuell verstärkt Fachkräfte und Quereinsteiger, die auf den ersten Blick nicht so recht zu einem traditionsbewussten Bau- und Bahntechnik-Unternehmen passen wollen: Office-365-Administratoren, Back- und Frontend-Developer, Intrapreneur und Extrepreneur. Diese Experten brauchen wir, und wir müssen sie jetzt für die Baubranche begeistern.